re[2]: Frage
myrrhe * schrieb am
5. März 2006 um 14:38 Uhr (745x gelesen):
Hallo Füchsin,
nein, da bin ich nicht deiner Meinung, was unsere westliche Gesellschaft betrifft. Wenn du dich mal umhörst und umschaust, dann wirst du feststellen, daß meist nicht der wirkliche WILLE zu gesunder Ernährung vorhanden ist. Wie ich es schon sagte, kann man mit dem gleichen Geld Qualität oder Quantität in der Nahrung bevorzugen. Ein Kilo inländische Karotten, nicht totgekocht, mit Kartoffeln und etwas Butter und einem Apfel als Nachspeise sind vom Ernährungswert her wertvoller als ein Kilo Billignudeln mit Knorrsoße und Würstchen - bei gleichem Geld. Inländisches Obst und Gemüse sind nicht so teuer, wie es immer gesagt wird - und Bio-Obst und -Gemüse direkt vom Bauern schon gar nicht. Gerade z. B. Kartoffeln und Karotten (lagerfähig) oder im Winter Kohl (vitaminreich) und Salate sind immer leistbar; es ist halt wichtig, Gemüse der Saison und aus dem Inland, am besten: aus der Gegend zu kaufen, und nicht holländische verseuchte Tomaten oder blasse Erdbeeren aus Mexiko. Und der, der will, findet auch den Weg. Ich habe mal einen TV-Bericht über Leute gesehen, die sich auf den Märkten die "Reste" holen, also das an Obst und Gemüse, was, völlig in Ordnung, einfach weggeworfen wird. Und ich selbst habe früher oft im Bus Leute gesehen, die sich vom Großmarkt Tüten voller Frischwaren organisiert hatten; und es sah nicht so aus, als hätten sie diese bezahlt. Andererseits beobachte ich oft Leute, die sich in Billigsupermärkten die Wagen vollladen, aber wenn man dann anschaut, was da alles drin ist: die Hälfte davon ist meist verzichtbar, besteht zur Mehrzahl aus Müll (Miniverpackungen) und umfaßt u.a. Knabbereien, Fertignahrung usw. Nein, es ist schon so: es wäre jedem einzelnen, egal ob arm oder reicher, viel mehr möglich.
Natürlich bin ich genauso wie du der Meinung, es sollten Voraussetzungen geschaffen werden, jedem den Verkauf und Erwerb von Produkten zu fairen Bedingungen zu ermöglichen. Nur, wie ich es auch schrieb: WIR sind die Gesellschaft, und WIR haben uns auf Konsum, auf ständige Verfügbarkeit von allem, auf Bequemlichkeit geeinigt. Der Stein kam ins Rollen, hat sich verselbständigt - und nun ist es schwer, ihn zu bewegen, in die andere Richtung zu rollen. Es wäre vonnöten, daß jeder seine ureigene Rolle in der Gesellschaft erkennt - daß er erkennt, inwieweit jeder SEINEN Beitrag zur Gesellschaft leistet.
Der Kunde ist König - er bestimmt, was und wieviel produziert und hergestellt wird. Will er Bequemlichkeit und Fastfood, so bekommt er sie. Will er biologische Nahrung, so bekommt er sie auch. Ansätze sind ja immerhin zu erkennen, in den Bio-Ecken der Supermärkte - es ist besser als gar nichts. Wenngleich auch hier das Ziel der Verkäufer nicht Gesundheit, sondern Geld heißt.
Daher eines meiner Mottos (oder heißt es Motti? *g*): WIR sind der Grashalm, der sich durch den Beton bohrt.
Lieben Gruß,
myrrhe

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