Was man liebt...
Eventuelle schrieb am 16. Februar 2005 um 20:09 Uhr (530x gelesen):
Hallo positiv,
ich glaube, wir sehen die Liebe jeweils von verschiedenen Ebenen aus. Zwei hast Du schon genannt: Die Liebe zu Gott und die weltliche Liebe. Diese, wenn ich Dich richtig verstanden habe, wendet sich von Gott weg, ist ihr sogar entgegengesetzt, wie Du schreibst.
Nun zieht sich durch viele Postings die Haltung – im Gegensatz zu Dir -, dass Gott überall zu finden ist, in der ganzen Schöpfung, also auch in jedem Menschen. Nach dieser Einstellung ist die Hinwendung zur Welt und in der Welt Gott lieben, nicht kontraproduktiv. Ja, auch Du erfährst „Liebe“, wenn Du – wie Du schon mal beschrieben hast – eine barmherzige Tat vollbringst. Ich erinnere mich, dass Du einmal erwähntest, dass Du danach ziemlich selig warst. So kennst auch Du die Hinwendung zur Welt und die Liebe zu den Menschen. Nur die Sichtweise ist eine andere. Während Deine Liebe zu Gott wie ein „Spiegel“ auf andere reflektiert, geht die Liebe Gottes aus der anderen Sichtweise direkt durch den Menschen hin zu dem Nächsten. Mit Gott sozusagen im Rücken ist da jeder „nur“ Werkzeug und im besten Fall auch ohne Ego.
Woran sich viele bei Dir stören (und ich auch), ist, dass Du bei Deiner Aufklärung Dein Gegenüber nicht in seiner Befindlichkeit siehst, sondern ein fertiges „Konstrukt“ an Erkenntnissen und vielleicht Erfahrungen vorlegst, das nicht für jeden akzeptabel ist, weil jeder einen anderen Ansatz hat. Das sagt nichts darüber aus, dass es EINE Wahrheit gibt. Aber jeder findet von einer anderen Richtung dorthin.
Eine mathematische Formel kann man lernen, aber um sie anwenden zu können, muss man sie verstanden haben. Hat man sie einmal verstanden, kann man sie ÜBERALL anwenden, weil sie allgemeingültig ist.
Du hast für Dich das für richtig erkannt, wovon Du sprichst. „Liebet die Liebe“ steht unter Deinen Postings. Und da für Dich Gott Liebe ist, bedeutet das für Dich sicher „Liebet Gott“ (Ich gehe mal davon aus, dass Du nicht wirklich meinst „liebet die Liebe“ – damit bleibst Du in Deinem eigenen „Konstrukt“ hängen und erreichst andere nicht.).
Ich habe hier noch ein schönes Zitat von W. Faber: „Die Güte hat mehr Sünder bekehrt als geistiger Eifer, Beredsamkeit oder Gelehrsamkeit, und diese drei Eigenschaften haben niemals einen einzigen bekehrt, wenn nicht die Güte in ihrer Begleitung war.“
Grüße
Eventuelle
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