re: Himmel und Hölle
Füchsin * schrieb am
28. März 2006 um 8:32 Uhr (663x gelesen):
Hallo, Cleopatra!
Alles Leben kommt aus dem Wasser, denn auch den blauen Himmel sah man als eine Art Himmelsozean an, dahinter lagen die Sterne, die Welt der Götter und Jenseitigen, wobei ausgewählte Menschen als Seele zu diesen Göttern reisen und mit ihnen im Himmelsschiff reisen durften, und bei ihnen wohnten, d.h. unsterblich wurden. Der Himmel war leicht, die Erde hingegen schwer, träge, endlich. Der irdische Körper starb und kam in die Erde des Grabes, zur Mutter Erde, Hel, Holle (daraus formte die Kirche das Wort Hölle). Das ursprüngliche Judentum und auch das anfängliche Christentum kannte kein Jenseits; das Ewige waren bestenfalls die Knochen, die bis zur leiblichen Wiederauferstehung im Grab und unversehrt bleiben mussten. (Sie standen stellvertretend für das, was wir heute als ewiges Leben oder Samenkorn verstehen.) Gott-Göttin würde den Gerechten am Tag des Jüngsten Gerichtes einen neuen, verjüngten (und vergeistigten) Leib daraus erschaffen und die Erde wieder zu einem Paradies machen. Die, die nicht gerecht waren, erhielten kein neues Leben, sondern waren einfach verloren, Ende, aus.
Der Hellenismus (unter Einverleibung ägyptischer, babylonisch-persischer und indischer Einflüsse) brachte die Idee des Jenseits, die bereits bei Jesus anklingt. Da sind Himmel oder Paradies (von der Erde aus betrachtet) jenseitige Bereiche für vollkommene, heilige Menschen. Der Mensch besaß einen energetischen Körperzwilling, die Seele, die den Tod des Körpers überdauerte und in eine ihr entsprechende Welt (d.h. eine ihrer Schwingung und ihres Bewusstseins entsprechende Welt) einging, während der Körper wieder zu Asche wurde. Seelen, die noch nicht so weit waren, sonderlich zu leuchten, befanden sich in einer Art Zwischenwelt (analog zu Hades, ein Reich der Schatten, das Fegefeuer), wo man nicht sonderlich glücklich war und durch seine eigenen Gedanken seine Art des Aufenthaltes bestimmte - der also mitunter düster, gottfern, traurig und seelisch schmerzhaft war, bis man seine Fehler einsah, die Gedanken läuterte und so in den Himmel gelangen konnte. Die hellenistischen Ideen Jesu von einem jenseitigen Leben im Paradies bzw. Himmel, statt Tod und Wiederauferstehung, waren für das Judentum revolutionär.
Der Unterschied zwischen Himmel und Hölle liegt in der Gottnähe oder Gottferne. Wobei man Gott als geistigen "Zustand" begreifen sollte = Ewigkeit, Schönheit, Liebe, Frieden, Freude, Gnade, Weisheit, Vollkommenheit. Der Zustand der "Hölle" ist das genaue Gegenteil davon. Und die normalen Menschen befinden sich irgendwo dazwischen. Das bedeutet auch, dass der Mensch Himmel und Hölle und alles dazwischen immer in sich trägt. Es liegt an ihm, ob er sich der Ewigkeit zuwendet oder sich abwendet, intelligenterweise den richtigen Weg einschlägt oder den verkehrten.
Mit lieben Grüßen -
Füchsin

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