Realismus-eine Frage der Sicht
Cassy schrieb am 29. Juni 2003 um 20:03 Uhr (534x gelesen):
Hallo Ding Dong,
> Ich bin nur sehr eingeschränkt in der Lage, meine Situation zu beschreiben.
Du weisst dass wir für Dich da sind und versuchen Dir
zu helfen. Wenn Du jetzt noch nicht darüber sprechen kannst ohne Dich weiterhin selbst zu verletzen ist das absolut in
Ordnung.
> Ich kann das, was mir klar geworden ist, hier nicht alles darlegen, auch, wenn ich mich nicht mehr so stark wie früher darum sorge, erneut verletzt zu werden von Menschen, die ihre eigene Angst auf mich übertragen.
Ich werde keine Ängste auf Dich übertragen. Wenn Du möchtest kannst Du mir auch an die Mailadresse schreiben.
Dann ersuche ich Dich aber bitte im Betreff meinen Namen anzuführen.
> Leider wird die vermeintliche, situative Passivität von vielen Menschen als Aufforderung verstanden, nochmals zuzutreten.
Ja das ist richtig. Viele Menschen versuchen Ihr eigenes Versagen an Anderen auszuleben.
Aber hier gilt Qualität vor Quantität.
Es ist bedeutungslos, obwohl sicherlich auch verletzend,
was solche Menschen tun. Es sollte Dich nicht berühren
denn Jene sind nur zu bemitleiden. Sie existieren (ich will es nicht leben nennen) in ihrer kleinen grauen Welt der Spiessigkeit einzig dazu bestimmt Ignoranz vermeintlich zur Tugend zu erheben.
Tiefe ist nicht für jeden fassbar.
Empfindung, Mitgefühl (nicht!! Mitleid) mit einem Wort
so altmodisch es ist: Ritterlichkeit ist eine Tugend
die dünn gesät ist.
> Die vermeintliche "Gewöhnung" an den Terror dürfte ein Hauptgrund dafür sein, dass Opfer in der Gesellschaft die Rolle des Gequälten und zu OPFERNDEN verordnet bekommen.
> Und zwar entweder offen, oder versteckt, subtil, kaum merklich, wenn überhaupt, sogar von Helfern... natürlich nicht immer.
Wenn Mitgefühl zum Mitleid verkommt, der vermeintliche
Trost nur zum eigenen Schmuck fungiert, dann hat die
Hilfe ihren Sinn verloren. Es ist aber nicht immer so.
> Der Schmerz kommt immer, oft später, oft nicht, aber die Folgen sind trotzdem oft unmittelbar und massiv, wenn auch nicht für die Umwelt wahrnehmbar.
Für den Grossteil!! der Umwelt nicht wahrnehmbar.
> Wundere dich bitte nicht über die Nüchternheit meiner Äusserungen.
Deine Nüchternheit ist Dein Schutzmantel
und ich betrachte ihn nicht als Gleichgültigkeit
> Ich bezweifele, ob ich mit den Schmerzen, würden sie in vollem Umfang kommen, umgehen könnte, jetzt, ohne Hilfe, ohne dass sie mich erneut traumatisieren.
Denke daran: Du bist nicht ohne Hilfe
Allein dass Du hier Antworten erhalten hast soll Dir
ein Beweis dafür sein. Doch für den Fall, dass Dir
das zu ungenau ist:
Ich biete Dir meine Hilfe an.
Ich dränge Dich nicht und bin im Gedanken bei Dir.
Du bit jetzt nicht mehr allein.
> Sprache taugt nicht so richtig, um das alles zu beschreiben.
Die Sprache ist sicher nicht ausreichend, doch ich kann
zwischen den Zeilen lesen.
> Und damit ich für meine Täter weiterhin funktionieren konnte, damals... sehr praktisch, nicht?
> Ich bin nicht das Entsetzen, ich bin nicht die Krankheit.
Du bist nicht das Entsetzen,
Du bist nicht die Krankheit.
> Wer von euch kann mit meiner Verletzlichkeit leben, ohne dadurch nicht an seine eigene Verletzlichkeit erinnert zu werden?
Der nicht nach dem Sinn einer Hilfe fragt,
der, den Anerkennung nicht tangiert
der, der Dir hilft ohne sich mit Dir zu vergleichen
Sich selbst mit Dir zu vergleichen hiesse keine Hilfe zu
geben sondern sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.
Das werde ich nicht tun.
> Mich erinnert der Text an einen Menschen, der inmitten eines Ozeans an Durst stirbt.
Er verdurstet weil er sich nicht zu helfen weiss -
weil er alleine ist - was Du jetzt nicht mehr bist.
Freue mich auf Deine Antwort
alles Liebe
Cassy
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Diskussionsverlauf:
- Erklärung ~ Ding-Dong - 28.06.2003 21:15 (11)