Gezielter Fanatismus ist abzulehnen!<
Füchsin schrieb am 15. April 2004 um 8:32 Uhr (716x gelesen):
Lieber Blaze, ich verstehe, dass du die "Freiheit des Individuums" verteidigst. Aber - du unterscheidest hier nicht! Bei der Kopftuchfrage heute geht es überhaupt nicht mehr um Religion oder Tradition. Ich hatte selbst beruflich sehr viel mit Ausländern, und darunter sehr vielen Moslems zu tun. Und man findet im privaten Gespräch ganz rasch raus, ob es nur Religion und Tradition ist oder Provokation und Demonstration für den Islamismus. Die echten Religiösen und Traditionalisten benehmen sich nämlich nicht fanatisch. Im Gegensatz zu den politisch motivierten Islamisten, die nicht nur Fanatiker, sondern auch nebenbei arge Rassisten/Nationalisten sind ("Wir sind die Besten! Alle im Westen sind minderwertige Ungläubige.") Frauen binden sich auch mitunter aus gewohnter Tradition das Tuch um, aber anders, Türkinnen und Berberinnen z.B. halsfrei und z.B. turbanartig um den Kopf gewickelt, bunt, mitunter mit Fransen. So wie jetzt das Tuch getragen wird, entspricht bis in den 8oer Jahren hinauf nicht der dortigen Tradition! Diese Art wurde IMPORTIERT. Ebenso ist die traditionelle Kopfbedeckung im Maghreb eine gänzlich andere. Und wenn ich Ganzkörperverschleierungen sehe, so ist das reiner saudischer Import.
Dazu würde ich dir empfehlen, im Koran nachzulesen, dort steht in etwa, die Frau soll den Kopf bedecken, um die Männer nicht absichtlich zu reizen. Sie soll sich überhaupt so betragen, dass sie Männer nicht absichtlich zur Lust reizt. - Es geht im ganzen Absatz um den Verbot der absichtlichen Verführung, aber nicht um Totalvermumung - das ist reine fundamentalistische Interpretation. Daher haben auch namhafte islamische Gelehrte immer wieder betont, der Schleier ist eigentlich NICHT erforderlich, sondern nur ein anständiges Betragen innerhalb der Gesellschaft. Das Theater mit der ultrastrengen Interpretation wurde seit den 80er Jahren importiert aus den von den Saudis bezahlten wahabitischen Koranschulen überall auf der Welt. Sie wurde auch gleich vom schiitischen Iran (seit Khomeini) und Arabien benachbart liegt, übernommen. Wahabitismus ist eine ultrakonservative Interpretationsform, eine Sekte, ähnlich wie es sie im Christentum gibt, und stand urspünglich nicht für die islamische Mehrheit, d.h. Sunniten oder Alewiten, sondern rein für das (derzeitige) saudische Königshaus. Das mit jeder wohltätigen Hilfsleistung, jeder Koranschule, jedem islamischen Verein, alles was es bezahlt, DIESE Sicht mitüberträgt und einfordert.
Ganz paradox und verlogen finde ich, wenn eine Frau noch vor kurzem eigens betont hat, sie ist republikanische laizistische Türkin und dann plötzlich Kopftuch trägt, weil fundamentalistische Mosleminnen sie ständig diesbezüglich anpöbelten und ihr Mann dauernd vom (arabischen) Iman gescholten wird. Freier Wille? Nein, ganz sicher nicht! Ich habe selbst miterlebt, wie eine Frau vom Ehemann verprügelt wurde, nur weil das Kopftuch beim Putzen im Geschäft verrutscht ist, oder wie andere Frauen bei 39 Grad Hitze Von Kopf bis Fuß schwer verhüllt herumlaufen und arbeiten mussten, während ihre Männer in Jeans und kurzem Hemd auf "harmloser, netter, freundlicher Mitarbeiter" machten.
Außerdem finde ich sektenartige Gehirnwäschepraktiken ("Allah lässt dich später nicht ins Paradies, wenn du kein Kopftuch getragen hast" - wo bitte steht das???) einfach ablehnenswert, und die willenlos gewordenen Sektenopfer kann man nicht wirklich ernst nehmen. Ich bin schon erstaunt, dass du das so leicht nimmst. Gehirnwäsche und Suggestion - ist das nicht auch gegen die persönliche Freiheit gerichtet?
Und, was ich selbst in Österreich erlebt habe und auch ursprünglich nicht glauben wollte, ist jede größere islamische Gemeinde mafiös unterwandert, d.h. Islamisten suchen die Familien auf, "beraten", welchen Job man wo annehmen SOLL, wie man lt. Koran angeblich leben SOLL (Kopftuch! Moscheebesuch! Jungs in Koranschulen!), gehen sogar bei Vorstellungsgesprächen mit (auch wenn der Betroffene selbst sehr gut deutsch kann und schon lange hier lebt - "sind nur so mitgekommen")... usw. und mitunter kommen unwillige Firmen auf eine "interne schwarze Liste", d.h. die Leute werden per ANWEISUNG unwillig bei der Arbeit, kündigen oder boykottieren Firmen und Vorgesetzte auf jede Art. Inwieweit die Islamisten auch Geld von den Familien einfordern, kann ich nicht sagen.
Ich wiederhole daher - echte Religiösität und Tradition akzeptiere ich, aber den von außen politsch gesteuerten Islamismus (zwecks Ausweitung der Macht) mit seinem Hang zum Terrorismus, der nur vorgibt, den Islam zu vertreten, und willenshörige "Gläubige" ohne Hirn heranzüchtet (die die politischen Ziele durchsetzen sollen unter dem Deckmantel der Religion) lehne ich ab. Und, insofern der Islam Kopftuch als Kennzeichen benutzt, oder bei talibanbegeisterte Männer sogar Ziegenbart, Turban und Pluderhosen, lehne ich auch diese zur Schau getragenen Kennzeichen ab. Ich mag keine Fanatiker, ich mag keine Aufhetzer, ich mag keine Rassisten, ich mag keinen 3. Weltkrieg. Ich halte sie für gefährlich.
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