Re: die Trauer des Egos zulassen<
myrrhe schrieb am 20. April 2004 um 7:31 Uhr (665x gelesen):
Hallo Jasmin,
zunächst einmal mein herzliches Beileid an dich! ich weiß, wie es ist, einen
lieben Menschen zu verlieren ...
Was du bei deiner Mutter gesehen hast, ist vermutlich ihr Ätherkörper
gewesen. Die Ablösung des Ätherkörpers (des ätherischen Doppels vom
physischen Körper) beginnt schon einige Zeit vor dem Tod.
Ich glaube aber keinesfalls, daß du besetzt bist, sondern ich denke, daß du
dich nun innerlich mit dem Tod beschäftigst. Das hat nichts damit zu tun,
daß du spirituell weißt, daß sie drüben weiterlebt.
Wir bestehen aus Ego und Selbst - aus einem Teil, der hier lebt, und einem,
der sozusagen drüben verankert ist. Beide Teile wollen und brauchen ihr
Recht! Egal wie spirituell du bist: das Ego muß trauern dürfen. Es trauert
genauso intensiv wie das eines Menschen, das nicht an das Jenseits glaubt.
Du bist ein Mensch, der eine lange Zeit mit der Mutter gelebt hat. Du bist in
ihrem Bauch aufgewachsen. Du kennst sie besser als alle anderen Menschen
in deinem Umfeld.
Du hast - irdisch - deine Wurzel verloren.
Daß es dir da schlecht geht, ist doch kein Wunder!
Mein Rat an dich ist: lasse die Trauer zu! Deine spirituelle Seite ist die eine,
und sie wird dir im Trauerprozeß helfen - das Wissen um das Weiterleben
nach dem Tod macht es dann einfacher. Aber die Trauer, die Leere, der
irdische Verlust, sind dennoch da und müssen gelebt werden.
Sprich mit deinem Mann darüber, versuche einfach, diesen Trauerprozeß in
dir zuzulassen und anzuerkennen. Solange, wie er dauern mag: es ist ein
Prozeß. Nicht umsonst spricht man vom "Trauerjahr": einmal durch alle
Jahreszeiten gehen ohne den geliebten Menschen. Unabhängig vom eigenen
Glauben!
Ich glaube schon, daß deine Mutter im Licht ist. Gleich nach dem Tod ist es
möglich, daß sie zunächst einmal der Ruhe bedarf, eines Abstandes, und
nicht erreichbar ist für die Lebenden. In der Folge wird ihre Aufgabe darin
bestehen, ihr altes Leben aufzuarbeiten - wann immer sie, irdisch zeitlich
gerechnet, damit beginnt (oder schon begonnen hat). Das heißt, ihr beide
habt eure Aufarbeitungsprozesse. Wenn sie ihre Aufarbeitung angetreten hat,
ist sie sicher manchmal bei dir, so wie du sie auch durch deine Gedanken
anziehst. Das ist normal, und das hilft ihr auch, über ihr Leben Klarheit zu
gewinnen. In dieser Zeit kannst du also auch sehr gut noch etwas mit deiner
Mutter "besprechen", was du ihr vielleicht nicht mehr sagen konntest, aber
gerne gewollt hättest. Du hältst sie damit nicht fest, weil du ja spirituell
denkst und weißt, wie wichtig die eigenständige Entwicklung von ihr
und von dir letztlich ist.
Viel Kraft und Licht wünsche ich dir,
myrrhe
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